Geschichte und Fakten

Geschichte

Fischerei

Kleine Fischerhäuser und –boote waren schon seit jeher immer ein charakteristisches Merkmal von Jūrmala. Und bis 1830m als Schwimmbäder wie Pilze aus dem Boden schossen, war die Fischerei der Schwerpunkt der lokalen Ökonomie. Fischer fingen Fische im Meer (Ostseeheringe, Flundern, Aalmuttern, Nerflinge) und in den Flüssen (Brassen, Zährten, Hechte, europäische Aale). Ihr Wohlstand hing von Ihrem Fischerglück, dem Wetter und dem Fischbestand ab. Als verschiedene Fischarten Anfang des 19. Jahrhunderts langsam aus den Flüssen verschwanden, mussten die Fischer ihr Einkommen aufstocken, indem sie in anderen Wirtschaftszweigen wie der Gemüse- und Milchwirtschaft arbeiteten. Als jedoch immer mehr Sommerurlauber nach Rīgas Jūrmala kamen, war es wesentlich lukrativer, den Gästen Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Die Fischerei blieb aber trotzdem noch bis ins 20. Jahrhundert hinein ein wesentlicher Teil der Region. Die Gesellschaft für Fischerei in Rīgas Jūrmala wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet. Unter dem Sowjetregime wurde sie zur Uzvara-Fischereikolchose und 1991 wurde sie in AS Jūras līcis umbenannt.

Ursprung des Kurorts

Die ersten Badegäste kamen 1730 in Kaugurciems an. Die ersten Seebäder wurden auch in England und Frankreich zu dieser Zeit eröffnet. Die Entwicklung der Schwimmindustrie kam 1812 wegen dem Krieg zwischen Russland und Frankreich zu einem Stillstand und das Seebad wurde daraufhin in die Nähe von Riga, nach Dubulti, verlagert. Zunächst wohnten die Urlauber in gemieteten Unterkünften der lokalen Fischer, aber als sich das Transportsystem entwickelte, insbesondere mit Eröffnung der Eisenbahn 1877, nahm der Bau von Sommerhäusern einen Aufschwung und die ersten Sanatorien und warmen Seebäder wurden errichtet. Das sogenannte Dīveļa (Duevel)-Hotel wurde in Dubulti 1834 gebaut und wurde das Zentrum des lokalen Soziallebens. Das erste Wellnesshaus wurde 1847 gebaut. Zu dieser Zeit hatte Rīgas Jūrmala noch nicht seine eigene regionale Regierung. Daher wurden von den Urlaubsgästen Badegesellschaften gegründet, die sich um Schwimmgebiete kümmerten und diese verbesserten. Außerdem organisierten Sie Orchester für Konzerte und Partys sowie Ärzte, die sich um die Badegäste während der Sommersaison kümmerten.

Entwicklung der Eisenbahn

Die Entwicklung Jūrmalas als Kurort wurde insbesondere durch die Eröffnung einer der ältesten Eisenbahnlinien von Lettland – nämlich der Riga–Tukums-Linie - 1877 ermöglicht. Von da an strömten große Menschenmengen per Zug nach Jūrmala und die Region wurde für Reisende aus entfernten Gebieten des russischen Emperiums leicht zugänglich. Zugstationen wurden in der Nähe von bereits existierenden Badegebieten errichtet, die sich neben den alten Fischerdörfern entwickelt hatten. Heute findet man in Jūrmala 14 Zugstationen, von Priedaine bis Ķemeri. Die Zugstationen stellen eine vielfältige Sammlung aus architektonischen Stilen dar, angefangen von der hölzernen Zugstation aus dem 19. Jahrhundert in Pumpuri bis hin zum wellenförmigen Betongebäude, das 1970 in Dubulti errichtet wurde.

Das Aufblühen des kurortes Ķemeri

Im späten 18. Jahrhundert richteten Mediziner ihr Augenmerk auf die Schwefelquellen von Ķemeri, die von den Einheimischen schon längst für therapeutische Zwecke genutzt wurden. Die erste chemische Analyse des Wassers wurde 1818 durchgeführt. Die ersten Patienten in Ķemeri übernachteten in den Häusern der einheimischen Förster. Schwefelhaltiges Wasser wurde von den Quellen in Eimern und Fässern transportiert, dann wurde es erwärmt und in große Eichenbecken gegossen, damit die Gäste darin baden konnten. Der baltische Gouverneur Von der Pahlen hat 1838 mithilfe von staatlichen Geldern den Bau eines Rehabilitationszentrums unterstützt. Daher wird dieses Jahr als offizielles Gründungsjahr der Ķemeri-Wellness-Einrichtung angesehen. Ķemeri erblühte im späten 19. Jahrhundert bis zum ersten Weltkrieg. Es wurden Einrichtungen eröffnet, die Schwefelund Schlammbäder anboten, ein Park wurde erschaffen und eine Straßenbahnlinie, die Ķemeri mit dem Strand Jaunķemeri verband, wurde erbaut. Leider wurden im ersten Weltkrieg die Wellness-Einrichtungen komplett zerstört. Die zweite Blüte fand zwischen den zwei Weltkriegen statt und das neue Ķemeri-Wellness-Hotel wurde 1936 erbaut und wurde ein beliebter Anziehungspunkt. Während der Sowjetära nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Sanatorien erbaut, die Gäste das ganze Jahr über aufnahmen. Hier wurden Behandlungen zu Gelenk- Haut- und gynäkologischen Erkrankungen sowie zu Leiden des Zentralnervensystems vorgenommen.  

Kultureller Hintergrund

Jūrmalas Berühmtheit als Kurort und der deutliche Anstieg von Besuchern führte auch zum Aufblühen des kulturellen Lebens. Sommerkonzerte fanden in Dubulti sei 1840 statt und 1870 wurden auch in Majori – im Konzertgarten von Horn – Konzerte aufgeführt. Hier war es auch, wo das erste Sinfoniekonzert (Sinfonie Nr. 9 in c-Moll von Beethoven) in Jūrmala 1879 stattfand. Die Konzerte begannen 1897 im Edinburg-Wellnesshaus (heute besser als Dzintari-Konzerthalle bekannt).

Berühmte Leute

Im Laufe der Jahre haben viele berühmte Leute aus den lettischen kulturellen Kreisen – wie Architekten, Künstler, Musiker – Jūrmala als ihre Heimat und als Quelle ihrer Inspiration ausgewählt. Jūrmala ist untrennbar mit dem berühmten lettischen Literaturduo Rainis and Aspazija verbunden. Maija Tabaka, eine der prominentesten lettischen Malerinnen, malt noch immer in ihrem Haus in Lielupe. Der weltbekannte Pianist Vestards Šimkus, die Geigenspieler Elīna Bukša, Paula Šūmane und Vineta Sareika und andere einheimische Künstler von Jūrmala spielen regelmäßig in der Dzintari-Konzerthalle.

Fakten

Jūrmala
Fläche​: 100 km2
Einwohnerzahl 57 371 (01.01.2016.)
Strandlänge 24,2 km
Entfernung vom Zentrum Riga 25 km
Entfernung vom internationalen Flughafen "Riga" 15 km
Entfernung vom Passagierhafen Riga 25 km

 

 

 

 

Jurmala ist die einzige Kurortstadt in Lettland und die erste lettische Stadt, die in den Europäischen Heilbäderverband aufgenommen worden ist. Ihrer Fläche nach ist es die zweitgrößte Stadt Lettlands nach Riga. Jurmala ist von zwei Seiten vom Wasser umgeben – der südliche Rand der Stadt grenzt in einer Länge von 30 Kilometern an die Ufer der Lielupe, der nördliche Rand –  an die Rigaer Meeresbucht in einer Länge von 24 Kilometern.

Der Strand

Der mehr als 24 km lange Strand von Jurmala besteht aus feinem, weißem Quarzsand, den in Tausenden von Jahren die Meeresströmungen angeschwemmt haben. Der Strand ist ein ausgezeichneter Ort zur Erholung und Stärkung der Gesundheit: das Rauschen der Meereswellen wirkt beruhigend, die an Phytonziden reiche Kiefernluft und die ionisierte Meeresluft wirken gut und heilend auf die Atemwege ein, das Barfußlaufen im weichen, warmen Sand des Meeresstrandes massiert die Fußsohlen, härten sie ab und entspannen.

Im Jahr 2015 wurden mehrere Badeorte von Jurmala ‒ Majori, Dzintari, Bulduri, Dubulti und Jaunkemeri mit der Blauen Flagge ausgezeichnet, die eine Bestätigung für einen sauberen, sicheren und gut ausgestatteten Strand sowie für nachhaltiges Wirtschaften in öffentlichen Badeorten ist. Insgesamt gibt es in der Region Jurmala 12 offizielle Badeorte, 11 davon sind an der Meeresküste, einer am Ufer der Lielupe.

Die Natur

Der Rigaer Meeresbusen umspült den ganzen nördlichen Rand von Jurmala auf einer Länge von circa 24 Kilometern. Im Süden wird Jurmala von dem an Wasser zweitreichsten und beschiffbaren Fluss Lielupe auf einer Länge von 30 km abgegrenzt. Die engste Stelle der Lielupe liegt gegenüber der Banki-Biegung zwischen Dubulti und Majori und ist  nur 380 Meter breit. Am westlichen Rand des Territoriums von Jurmala befinden sich Seen, Moore und Feuchtwälder, hier konzentrieren sich die Heilressourcen von Jurmala. In der Stadt gibt es natürliche Waldgebiete um Dzintari, Vaivari und Valteri. Besonders große Aufmerksamkeit wird dem Umweltschutz gewidmet.

Die Religion

In Jurmala sind die evangelischen Gemeinden von Bulduri, Dubulti, Sloka und Kemeri, die orthodoxen Gemeinden des Heiligen Wladimirs von Dubulti, des Hl. Petrus und Paulus von Kemeri, die katholischen Gemeinden von Majori, Sloka, Kemeri, die Gemeinde der Adventisten des siebten Tages  von Sloka, das Gemeinde der Christen des evangelischen Glaubens "Das lebendige Wort" von Jurmala tätig.

Zusammensetzung der Bevölkerung

27 834 Einwohner sind Letten, 21 038 Russen, 2051 Weißrussen, 1536 Ukrainer, 884 Polen, 604 Juden, 3437 andere Nationalitäten, d.h., die Nationalität ist nicht angegeben (Angaben des Amtes für Bürgerschaft und Migration vom 01.01.2016, www.pmpl.gov.lv)